ZwW-160

ZwW 160: Automatische Wähl - Nebenstellenanlage 1/1

Fabrikat: Merk, Baujahr: 1955

W 1- 1, ZwW 160
W 1- 1, ZwW 160, offen

beide Fotos oben:

Die Urform der so genannten W 1-1, der Wähl - Nebenstellenanlagen - Zwischenumschalter ZwW 160, für eine Hauptstelle und eine Nebenstelle mit einer Amtsleitung. Die  hier vorliegende Anlage wurde im Jahr 1955 von der Firma Merk gebaut. Dieser Zwischenumschalter bildete sozusagen das Herz einer kleinen Nebenstellenanlage. Bestückt mit Flachrelais 48 und noch mit einem Polwechsler - Relais zur Erzeugung der Rufwechselspannung, was es auch ermöglicht, die Anlage bei Bedarf netzunabhängig mit 24 Volt - Batteriespannung (zB. mit zwei in Reihe geschalteten 12 V - Autobatterien) zu betreiben, weil die Rufwechselspannung durch das Polwechsler - Relais aus der Gleichspannung erzeugt wird (durch impulsierendes umpolen). Die oben abgebildete Anlage ist noch im unrestaurierten Originalzustand, wie man an den Rostkanten des Gehäuses sieht, aber sie funktioniert trotz ihrer bald 60 Jahre auf dem Buckel immer noch. Nur das Netzkabel muss ausgetauscht werden, da sich die Isolierung der einzelnen Adern innen im Kabel auflöst und zerbröselt.

Hier folgt eine weitere, besser erhaltene Anlage des Typs ZwW 160

Fabrikat: Hagenuk. Baujahr: 1954

W 1- 1, ZwW 160, eine besser erhalte Ausführung
W 1- 1, ZwW 160, Typenschild innen unten
W 1- 1, ZwW 160, Typenschild
W 1- 1, ZwW 160, Netzteil - Typenschild

oben:

Auf den ersten Blick etwas irritierend, am äusseren Blechgehäuse befindet sich ein Herstellerschild der Firma Merk und an dessen Seite ein Typenschild eines ZwW 161, aber innen drin ist ein ZwW 160 der Marke Hagenuk. Vermutlich wurden die Gehäuse früher mal, bevor die Geräte in den so genannten “Schrottverkauf” des Zeugamts gelangten, in der dortigen Zentralwerkstatt vertauscht. Das rechte kleine Schild ist das Hagenuk - Typenschild vom Netzteil.

W 1- 1, ZwW 160 innen
W 1- 1, ZwW 160, Polwechsler - Relais von oben
W 1- 1, ZwW 160, innen, Netzteilseite
W 1- 1, ZwW 160, Polwechsler - Relais

Das viel zitierte Polwechsler - Relais “P”, welches aus 24 Volt - Gleichspannung die Rufwechselspannung erzeugt. In Selbstunterbrecherschaltung pulsiert das Relais beim Ruf der Haupt- oder Nebenstelle, das große Gegengewicht am Anker oben sowie eine im Anker seitlich eingebrachte Federstahlplatte beinflussen neben den elektrischen Bauteilen die Pendel- / Wechselfrequenz des Relais. Im Idealfall sollte so eine Wechselspannung mit einer Frequenz von etwa 25 Hz erzeugt werden (die Frequenz, die auch der Rufstomgeneratorausgang einer Ruf- und Signalmaschine in der Vermittlungsstelle aufzuweisen hatte). Man kann sicher sagen, dass rund 60 % aller Fehler die im Laufe der Jahre am ZwW 160 auftraten durch Verschleiß an diesem Relais bedingt waren. Besonders der vordere Pertinax - Steg zu den Kontaktfedern hin litt dann unter Abnutzung. Auch hier an dem Steg kann man bei genauer Betrachtung schon (die hellen) Einlauf- Verschleißspuren am Übergang von Pertinaxsteg auf die Kontaktfeder - Lamellen erkennen. Aber diese Anlage hier funktioniert noch gut. Als erste Abhilfe kann man den Steg auch ausbauen und um 180° versetzt wieder einbauen (und dann natürlich neu justieren), da die Auflagestellen dann nicht mehr an der gleichen Position liegen (wenn das nicht zuvor schon mal von einem Entstörer im Laufe des Lebens der Anlage gemacht worden war). Solche Stege waren allerdings damals in der Ersatzteilbeschaffung problemlos als Neuteil vorrätig, heute dürfte die Ersatzteilversorgung da schon schwieriger werden.

W 1- 1, ZwW 160, innen aufgeklappter Relaisrahmen
W 1- 1, ZwW 160, Lage des Thermorelais

Auf den beiden letzten Fotos ist links der aufgeklappte Relaisrahmen von unten zu sehen und das Anschlußfeld, wo auch die verschiedenen Konfigurationen (z.B. für die Rufweiterschaltung, Amts- / Halbamtsberechtigung usw.) per Schraubklemmen - Brücken einzulegen bzw. zu entfernen sind. Im Vordergrund links auf der Haupt - Bodenplatte befindet sich der Tag / Nacht - Kellogschalter, mit dem man von außen umschalten konnte, ob eingehende Anrufe auf der Hauptamtsleitung aus dem Postnetz auf der Hauptstelle (Tag) oder auf der Nebenstelle (Nacht) ankommen. Die Formulierung Tag / Nacht für diese Umschaltmöglichkeit war dadurch entstanden, dass man davon ausging, dass die Anlagen oftmals im gewerblichen Bereich o.ä. eingesetzt wurden, wo über Tag (wenn gearbeitet wurde) der im Betrieb stehende Hauptanschluß den Anruf von außen vorrangig entgegen nahm und in der Nacht die vielleicht nebenan im Wohnhaus befindliche Nebenstelle zuerst mit den Anrufen von außen “belästigt” wurde.

Die besondere Möglichkeit des ZwW 160, die Anlage auch im puren Gleichstrombetrieb zu nutzen (z.B. mit 2 in Reihe geschalteten 12 Volt - Autobatterien), weil ja der schon oft angesprochene Rufwechselstrom durch das Polwechsler - Relais erzeugt wurde, machte diese Art von Anlagen u.a. besonders bei Notdiensten, aber auch bei kleinen außerhalb liegenden Flugplätzen sehr beliebt. Dennoch war deren Anteil in der Gesamtheit aller Nutzer sicher so extrem gering, dass diese Möglichkeit beim Nachfolger auch nicht länger vorgehalten wurde, zumal man sich mit dieser Möglichkeit ja ständig die Verschleißprobleme am P - Relais aufbürdete.

Es gab seinerzeit auch sogar W 1 - 5 - Anlagen, die mit diesem Polwechsler - Prinzip arbeiteten. Von diesen größeren Anlagen, die das System noch hatten, wird man heute vermutlich nicht mehr viele finden, da diese Technik bei den größeren Ausführungen damals schon relativ wenig verbreitet war, während sie bei diesen kleinen 1-1 - Anlagen in den 50er Jahren üblich war.